Bitte nicht noch ein Wutausbruch...

Horrorszenario Wutanfall: Wenn dein Kind komplett eskaliert und du nicht mehr weiter weißt.

Hier der Versuch einer Anleitung:

  1. Perspektivwechsel
    Anstatt zu sagen: "Du hast doch gar keinen Grund zu weinen!" versetze dich erst einmal wirklich ehrlich in die Lage deines Kindes und versuche nachzuvollziehen, warum es einen Gefühlsausbruch hat. Vermeintliche Kleinigkeiten haben für Kinder einfach noch einen völlig anderen Stellenwert und es wird nichts zu einer Lösung der Situation beitragen, wenn du dem Kind seine Gefühle absprichst.
  2. Setze zuerst dir die Sauerstoffmaske auf
    So ein waschechter Wutanfall lässt einen nicht kalt. Versuch dennoch daran zu arbeiten, dich abzugrenzen von den Gefühlen deines Kindes. Das wird einige Zeit und viel Übung kosten, aber behalte es trotzdem als Ziel vor Augen. Je mehr du in dir selbst ruhst, desto gelassener wirst du Gefühlsausbrüche begleiten können.
    Aber selbst, wenn es dir in 90% der Fälle schon gut gelingt, wirst es dennoch diese Male geben, in denen auch du an deine Grenzen gerätst.
  3. Alles und alle bleiben heile
    Wenn dein Kind etwas kaputt zu machen oder jemandem weh zu tun droht, mach deutlich, dass das nicht okay ist. Sag dafür sehr klar, was das Kind TUN soll (und nicht was es nicht tun soll, denn das könnte das Gehirn "verschlucken"), also z.B. "Gib mir die Armbanduhr vorsichtig in die Hand!" oder "Geh einen Schritt zurück."
  4. Niemals trennungsbasiert handeln
    Streiche den Gedanken, Kinder in ihr Zimmer, in die Garderobe oder sonst wohin zu schicken, ein für alle Mal endgültig aus dem Kopf. Kinder sind auf unsere Begleitung angewiesen und du wirst mit einem "Ab auf dein Zimmer" nur erreichen, dass eure Bindung und das Vertrauen des Kindes in dich zerstört wird. Kein Kind "denkt über sein Verhalten nach" und "bessert" sich dann. Dazu sind Kinder schlichtweg nicht in der Lage.
    Da uns das aber selbst oft widerfahren ist, fehlen uns meist Ideen, was wir stattdessen machen können. Und es ist auch eine enorm große Herausforderung, diese Verbindung aufrecht zu erhalten in Momenten, in denen sehr unangenehme Gefühle dominieren. Bleib dran, es wird leichter und du wirst einen großen Beitrag zu einer gesunden Entwicklung deines Kindes beitragen.
  5. In Verbindung co-regulieren
    Gefühle wollen zu Ende gefühlt werden, dann klingen sie auch wieder ab. Wenn wir nicht wollen, dass Kinder nicht zu Ende gefühlte Gefühle als lästigen Ballast weiter mit sich rumtragen, gehen wir da gemeinsam durch. Begleite den Wutanfall deines Kindes nicht nur durch deine Anwesenheit, sprich auch mit ihm. Wenn das neu für dich ist, reicht es für den Anfang zu wiederholen: "Du bist gerade so wütend! So viel Wut! Diese große Wut! Ich kann sehen, dass du richtig wütend bist!" Das fühlt sich zu Beginn ungewohnt an, aber das liegt nur daran, dass wir es bislang nicht besser wussten. 
    Pro-Tipp: Es kann der "Gamechanger" sein, "sich" dem Kind für den Wutanfall "zur Verfügung zu stellen", indem man bspw. in die Handinnenflächen boxen lässt. Wem das weh tut oder zu unsicher ist, kann solche Handpratzen nutzen. Etabliert werden sollten diese in einem ruhigen Moment und dann im Wutanfall als Vorschlag (nicht als Frage) angeboten werden.
  6. Reflektieren, lernen, wachsen
    In einer meiner Beratungen analysierte ich mit meiner Klientin die Wutanfälle ihres Kindes und ihre konkreten Handlungsmöglichkeiten. Ihr war danach so viel mehr klar und sie konnte so viele wertvolle Erkenntnisse für sich gewinnen, dass sie am Schluss der Beratung sagte: "Ich kann den nächsten Wutanfall meines Kindes kaum erwarten!" Und das ist auf jeden Fall auch ein Teil des Erfolgskonzeptes: Aus jedem Wutanfall zu lernen und daran zu wachsen, indem du die Situation reflektierst.

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