Einschlafbegleitung - ich kann nicht mehr!

Du liegst neben deinem Kind oder sitzt am Bett deines Kindes und merkst, wie du von Minute zu Minute wütender wirst. Du siehst deinem Kind so deutlich an, dass es müde ist, aber es wälzt sich hin und her oder redet ohne Unterlass oder weint. Es macht alles. Außer Schlafen.
Die Wäsche ruft, das Geschirr, die Arbeit, die Partnerschaft. Und du sitzt hier und hast das Gefühl, dein Kind will dich bewusst damit provozieren.
Vielleicht bringst du Abend für Abend all deine Willenskraft auf, um dein Kind friedvoll zu begleiten, nur um dann völlig fertig aus der Einschlafbegleitung zu kommen. Vielleicht ist deine Geschichte aber auch anders und du hast ein Schlaftraining mit deinem Kind gemacht, einfach um endlich kein wandelnder Zombie mehr zu sein und auch selbst zu etwas Schlaf oder wenigstens einem kleinen Rest Abend zu kommen.

Unzählige Schlafberater:innen tümmeln sich da draußen und es ist nicht leicht, eine professionelle Schlafberatung von unqualifizierten oder gar einer potenziell schädlichen Anbietern zu unterscheiden.

Deswegen möchte ich dir heute ein paar Hinweise mit auf den Weg geben, die vielleicht etwas Licht ins Dunkle bringen können (auch wenn dir sicherlich mehr nach Dunkelheit als nach Licht zumute ist ;) ):

Du brauchst keine Zeitpläne.
Rituale und wiederkehrende Abfolgen können dank ihrer Struktur Sicherheit vermitteln. Aber kein Kind braucht irgendwelche festgelegten Zeiten, die ihm übergestülpt werden. Sobald du auf so irgendwelche solcher Pläne oder Vorgaben stößt, such schleunigst das Weite.

Es liegt in der Natur von Kindern, nicht alleine im Dunkeln sein zu wollen.
Es steckt immer noch in unserer Biologie, nicht alleine in den Gefahren der Dunkelheit gelassen werden zu wollen. Dein Kind weiß noch nicht, dass es sicher in einem Wohnhaus ist und kein Tiger weit und breit. Dein Kind weiß nicht, dass du im Raum nebenan bist und nicht dem Tiger zum Opfer gefallen bist. Dein Kind braucht deine Nähe und darf sie auch haben. Du verwöhnst es damit nicht, im Gegenteil. Wenn du dein Kind dem Stress des Alleinseins aussetzt, wird es Todesangst erleben und erst aufhören zu weinen und nach dir zu rufen, wenn es zu erschöpft ist oder resigniert hat. 

Du darfst dich von allen Erwartungen lösen.
Du findest die Idee des Familienbetts genial? -Schlaft im Familienbett.
Du oder dein:e Partner:in habt gar keine Lust auf Familienbett? -Sucht einen anderen Weg.
Du dachtest, du findest das Familienbett großartig, aber jetzt hasst du es? -Es wird Zeit für eine Veränderung!
Fang gar nicht erst damit an, irgendeinen Weg ab- oder aufzuwerten (außer trennungsbasiertes Schlaftraining, siehe oben).
Genauso individuell wie deine Familie darf auch euer Schlaf sein. Familien finden hier die kreativsten Wege und das ist großartig. Wichtig ist, dass alle okay damit sind. Es muss nicht die non plus ultra-Lösung sein. Gut ist gut genug und es muss nur euch damit gut gehen. Es ist echt egal, was die Nachbarn oder Schwiegereltern oder andere Eltern dazu sagen.

Lass dein Kind nicht alleine. Dich selbst aber auch nicht.
Ihr habt einen konkreten Weg oder wenigstens eine grobe Richtung gefunden, die für alle passt? Genial!
Trotzdem findest du dich in der oben beschriebenen Situation der Einschlafbegleitung wieder? Genial!
Genial?
Ja! Denn nun hast du einen weiteren Anhaltspunkt, von dem aus du mit deiner Familie eine Lösung entwickeln kannst. Und dabei kann man in ganz vielen Fällen auch schon das Kind mit einbeziehen.
Zuerst ist einmal wichtig, dass du herausfindest, was das Problem am Problem ist. Ist dir langweilig bei der Einschlafbegleitung? Vielleicht kannst du die Zeit für eine Meditation oder ein Hörbuch nutzen. Dauert es dir zu lange? Vielleicht könnt ihr den Ablauf verändern oder "Zuständigkeiten" abwechseln. Ist es dir zu viel Nähe, eng miteinander zu kuscheln? Vielleicht könnt ihr vereinbaren, nur die Hand zu halten?
Du siehst, der Ausgangspunkt für eine Lösung deiner Situation ist, genau hinzuschauen und tief in das Problem einzutauchen. Wenn du dir dabei Begleitung wünscht, nimm gerne meine 1:1 Beratung in Anspruch.

Ich kann aber nicht konkret sagen, was mich stört. Ich bin einfach genervt.
Der Struggle mit "Mental Load" ist real, keine Frage. Und wenn du nach einem hektischen Tag erst in der Einschlafbegleitung überhaupt zum Durchatmen kommst, ist klar, dass sich dann alle möglichen Gefühle der Überforderung melden.
Noch dazu, wenn du selbst den ganzen Tag zu wenig für dich getan hast und dann auch noch etwas machen sollst, nämlich einschlafbegleiten, was ganz viele von uns Erwachsenen selbst nicht oder nur selten erlebt haben.
"Ich musste früher auch alleine einschlafen und hab es geschafft!"
"Jetzt liege ich schon bei dir und trotzdem schläfst du nicht ein!"
Hinter diesen Sätzen steckt oftmals der eigene Ruf nach Zuwendung. Wenn dein inneres Kind davon zu wenig hat, wird nachvollziehbarer Weise eine Situation, in der du noch mehr geben sollst, zur Zerreißprobe.

Die gute Nachricht: Das muss nicht so bleiben. Du musst dich nicht so fühlen!
Wenn du tiefer in die Thematik von Bedürfnissen hinter dem Verhalten deines Kindes und hinter deinem eigenen Verhalten eintauchen möchtest, melde dich gerne unten auf der Seite für meinen Newsletter an und erhalte direkt den gratis Mini-Kurs "Kinder entspannt und kompetent begleiten".

Wenn du dir noch umfangreichere und tiefergehende Begleitung wünscht, kannst du dir auch einmal mein Workbook oder meine weiteren Angebote ansehen.