Wie erkläre ich meinem Kind...?

Unsere Kinder stellen uns Fragen.
Viele Fragen.
Und manchmal haben wir keine Antworten darauf.
Entweder, weil wir Dinge noch nicht wissen (dann können wir sie recherchieren) oder aber, weil wir erst einmal überfragt sind, wie wir komplexe, belastende oder (vermeintliche) "Erwachsenen-Themen" kindgerecht erklären können.

Ich habe ein paar Fragen gesammelt, bei denen man leicht ins Straucheln geraten kann und mögliche Antworten ausgearbeitet, die euch dazu inspirieren sollen, offen und dennoch verständlich und angemessen mit Kindern ins Gespräch zu kommen.

Denn tatsächlich ist es immer wieder eine Herausforderung, zwar ehrlich mit Kindern umzugehen und sie in ihrer Neugier nicht zu bremsen, gleichzeitig aber darauf zu achten, dass sie nicht überfordert werden.

Hier also ein wenig Inspiration für dich:

 

"Warum muss man sich anziehen?"
Das ist eine klassische Frage von jüngeren Kindern, die sich ungern anziehen (lassen) möchten. Es braucht hier meist keiner ausschweifenden Erklärungen, ein simples "Es passt nicht, nackt rauszugehen" reicht oft.
Die größere Herausforderung ist dann wohl eher, den anschließenden Gefühlsausbruch zu begleiten oder das Kind zum Kooperieren zu motivieren. ;) 

"Warum musst du arbeiten gehen?"
Es braucht anfangs gar keine philosophischen Ausführungen zum Konzept Arbeiten, lieber konkret die Tätigkeit und deren Nutzen erklären. Das ist natürlich bei "lebensnahen" Berufen einfach, als bei abstrakten.
Möglich ist es aber dennoch, hier ein paar Beispiele:
"Ich helfe Menschen dabei, gute Entscheidungen zu treffen, was ihr Geld betrifft." - Berater:in im Finanzbereich
"Ich sorge dafür, dass die Gäste, die zu Besuch kommen, alles haben, was sie brauchen." - Hotelmanager:in
"Ich finde heraus, was Leute z.B. an einem bestimmten Gegenstand gut finden und was nicht so." - Marktforscher:in

Du siehst, meistens ist die Beschreibung eines Teils der Tätigkeit am aufschlussreichsten für Kinder. Damit hast du dann erklärt, warum deine Arbeit wichtig ist. Die Frage, warum DU arbeiten gehst, bleibt aber noch offen und die Antwort darauf ist natürlich total individuell. Vielleicht gehörst du zu den glücklichen Menschen, die arbeiten gehen, weil ihnen ihre Tätigkeit Freude macht. Vielleicht geht es aber auch eher darum, einfach Geld zu verdienen.
(Ich kann es nur immer wieder wiederholen: Wenn man sich auf Fragen von Kindern einlässt, kann man immer auch etwas Neues über sich selbst lernen!)
Was uns zur nächsten Frage bringt:

"Was ist Geld?"
Spätestens wenn diese Frage fällt, darf ein Kind nach und nach einen eigenen Zugang zu Geld entwickeln. Sinnvoll kann sein, das Kind bspw. beim Bäcker oder bei der Eisdiele selbst bezahlen zu lassen (ggf. von der Bezugsperson begleitet).
"Das Geld bekomme ich von der Firma/den Menschen, für die ich meine Aufgabe erledige. Es wird dann von deren Bank zu meiner Bank geschickt und dort kann ich es abholen und davon unser Essen, unsere Kleidung usw. bezahlen."
Auch wenn sich das vielleicht komisch anfühlt, darf man Kindern durchaus auch mal in Ruhe die Gelegenheit geben, sich echtes Geld genau anzusehen, gerade, weil bargeldloses Zahlen das Thema für Kinder oft noch abstrakter macht.

"Warum darf ich nicht nur Süßigkeiten essen?"
"Dein Körper braucht verschiedene sog. Nährstoffe, damit er gut funktioniert. Das ist so ähnlich wie das Benzin für Autos, der Strom für die Lampe oder Wind für das Windrad. Mit manchen Nährstoffen kann dein Körper mehr anfangen, mit manchen weniger. Das kennst du von dir selbst: Manche Spielzeuge findest du total toll, andere langweilen oder nerven dich. Für den Körper ist sozusagen das spannendste Spielzeug Gemüse, Obst und Wasser. Davon braucht er viel, damit er gut funktionieren kann. Süßigkeiten sind auch ab und zu okay, aber nicht zu viel, sonst kann es sein, dass du dich nicht mehr so gut konzentrieren kannst oder weniger Kraft hast."

"Warum haben meine Eltern sich getrennt?"
Es ist für jedes Kind sicherlich sehr traurig, wenn die Eltern sich trennen. Aber auch wenn die Paarbeziehung nicht bestehen bleibt, die Elternschaft lässt sich nicht beenden. Und wenn man da eine gute Ebene und Lösungswege findet, kann eine Trennung von einem Kind auch gut verkraftet werden. 
Die Trennung konfrontiert Kinder knallhart mit der Vergeblichkeit des Lebens und diese anzuerkennen und auszuhalten braucht feinfühlige Begleitung. Wichtig ist, dem Kind niemals das Gefühl zu geben, es sei schuld an der Trennung. Da Kinder aufgrund ihrer natürlichen emotionalen Unreife ohnehin stets alles auf sich beziehen, kann man z.B. deutlich sagen:
"Auch wenn wir nicht mehr zusammen leben, werden wir beide dich immer lieben! Es ist schade, dass wir Erwachsenen uns nicht mehr so gut verstehen und uns deswegen trennen. Trotzdem werden wir immer dafür sorgen, dass es dir gut geht". 
Damit diese Worte nicht nur leere Versprechungen sind und weil Trennungen oft eine sehr belastende Erfahrung sind, kann es hilfreich sein, sich in dieser Zeit begleiten zu lassen.

"Was ist die Periode?"
Wenn Kinder bspw. im Bad Periodenprodukte sehen und hierzu Nachfragen stellen, beantworten wir diese immer erst einmal allgemein, z.B. "Das brauche ich für meine Periode." Manchmal reicht das schon als Antwort, denn Kinder tasten sich meist selbst soweit an Themen ran, wie sie es sich zutrauen. Wenn dann mehr Informationen eingefordert werden, darfst du auch näher darauf eingehen:
"Stell dir vor, dass jeden Monat im Bauch eine kleine Höhle eingerichtet wird. Dort könnte dann ein Baby einziehen und dann im Bauch wachsen. Wenn aber keins einzieht, dann wird die Wohnung wieder ausgeräumt. Das nennt man Periode."
Achte darauf, womit du dich wohl fühlst und wo es dir vielleicht unangenehm wird, offen zu sprechen. Hinterfrage allerdings auch, woran das liegt, denn nur, weil etwas "schon immer so gemacht wurde", ist es noch nicht der Garant dafür, dass es auch gut so ist.
Gerade im Hinblick auf Aufklärung denke immer daran, dass aufgeklärte Kinder geschützte Kinder sind. Wenn es dir aufgrund deiner eigenen Prägung schwer fällt, offen zu sprechen oder auch die korrekten Bezeichnungen für Geschlechtsteile zu nutzen (bitte keine Verniedlichungen nutzen!), kannst du dir erst einmal Bücher zur Hilfe nehmen oder für dich alleine oder mit einer vertrauten Person ein solches Gespräch durchgehen, um sicherer zu werden.

 

 

Du hast noch eine Frage von deinem Kind gestellt bekommen, auf die du keine Antwort wusstest? Du glaubst, dass auch anderen diese Frage begegnet und meine Impulse nützlich sein könnten?
Ich erweitere diesen Quick Help Artikel laufend!

Schick mir deine Frage per Mail an:
weltvonunten@outlook.com
am besten mit dem Betreff "Wie erkläre ich meinem Kind?"
und mit etwas Glück findest du dann ganz bald die Antwort hier!

Sobald ich neue Fragen hier veröffentliche, informiere ich darüber in meinem Newsletter.
Wenn du dich dafür noch nicht eingetragen hast, hole das jetzt unbedingt unten auf der Seite nach - zur Begrüßung erhältst du dann meinen gratis Mini-Kurs "Kinder entspannt und kompetent begleiten".