Ich begleite Frauen bei Auffälligkeiten in der Schwangerschaft, wenn steigende Werte, engmaschige Kontrollen oder der Verdacht auf eine Schwangerschaftsvergiftung plötzlich real werden. Wenn Untersuchungen, Befunde und offene Fragen den Alltag bestimmen und die Unsicherheit wächst. Wenn aus Vertrauen Vorsicht wird. Wenn Gedanken kreisen, Antworten fehlen und man versucht, mit all dem zurechtzukommen. Damit sie diese Zeit nicht alleine tragen müssen.
Dass etwas da ist, aber keinen eindeutigen Platz bekommt. Etwas, das spürbar ist. Aber nicht eindeutig genug, um benannt zu werden. Nicht dringend genug, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Und nicht ruhig genug, um einfach zu verschwinden. Es war schon als Kind eine Mischung aus permanentem Aufpassen und automatischer Kontrolle. Diese Vorsicht, die zur Gewohnheit geworden war. Lieber die schlechte Note verschweigen, das aufgeschlagene Knie nicht zeigen und bloß keine zusätzliche Sorge im Raum sein. Lieber die Tränen herunterschlucken, wenn die Eltern gestresst von der Arbeit kamen. Mein Kopf begann sofort zu arbeiten: Wie muss ich sein, damit alles stabil bleibt? Ich machte mich laut, wenn Leistung gefragt war. Und ganz still, wenn der Raum sowieso schon zu voll war. Unbewusst galt für mich lange ein Gesetz: Ich darf da sein, solange ich nichts brauche.
Viele Jahre später begegnete mir dieses Muster wieder: In meiner Schwangerschaft. Die ersten Untersuchungen. Die ersten Auffälligkeiten. Dieses Noch-nichts-Eindeutige. Und trotzdem veränderte sich etwas in mir. Ich wurde leiser. Beobachtender. Zurückhaltender. Etwas war da. Aber niemand konnte mir sagen, was es bedeutete. Mal schien alles in Ordnung. Dann tauchten wieder neue Fragen auf. Manches wurde zufällig entdeckt. Ich wollte meinem Körper vertrauen. Und gleichzeitig fragte ich mich ständig, ob ich etwas übersehe, weil es mir in dieser Zeit so unfassbar schwer fiel, einfach zur Ruhe zu kommen. Ich suchte ständig nach etwas, das mir ein Gefühl von Sicherheit gab: Antworten. Gewissheit. Klarheit. Ich las. Ich verglich. Ich versuchte zu verstehen, damit ich vertrauen konnte. Damit ich mit aller Kraft Orientierung über das Außen herstellen konnte. Ich hatte meinen Geburtsplan geschrieben, die passenden Klinik-Infoabende ausgesucht und versucht, für möglichst viel Sicherheit zu sorgen. Worauf mich kein Kurs vorbereiten konnte, war der Moment, was in mir passiert, wenn sie plötzlich wegfällt und wie sehr mich der Verlust von Sicherheit herausfordert. Und da merkte ich, wie vertraut mir dieser Zustand eigentlich war. Im Grunde war es genau das, was ich schon damals mit sieben Jahren am Küchentisch gelernt hatte: etwas wahrzunehmen, ohne es einordnen zu können und damit alleine zu bleiben, weil ich mich mit dem, was mich innerlich bewegt, nicht verstanden fühlte und unbewusst davon überzeugt war, damit allein zurechtkommen zu müssen.
Als Mama nach Präeklampsie weiß ich heute, wie belastend nicht nur eine Diagnose sein kann. Oft beginnt die Belastung schon viel früher. In der Zeit zwischen Hoffen, Beobachten, Warten und Funktionieren. Nicht immer sind Sorgen und Ängste das Schwerste. Oft ist es der Moment, in dem wir glauben, mit dem, was uns belastet, allein bleiben zu müssen. Weil wir lange gelernt haben, genau das zu tun: Gefühle schnell zu beruhigen, sie logisch zu erklären, wegzudrücken oder gar nicht erst zu zeigen. Alles tapfer auszuhalten, weil es einmal die beste Möglichkeit war, mit dem umzugehen, was uns im Leben begegnet ist.
Diese Strategien haben uns geholfen, weiterzumachen, durch Situationen zu kommen, auf die wir nicht vorbereitet waren. Sie haben unsere Würde geschützt. Sie haben uns geholfen, unseren Platz zu finden und mit Situationen umzugehen, die sich nicht kontrollierbar angefühlt haben. Vielleicht versuchen wir alles richtig zu machen und halten nach außen Ruhe, obwohl es in uns ganz anders aussieht. Bis wir irgendwann merken: Sie tragen uns nicht mehr auf dieselbe Weise, weil etwas in uns gesehen, gehalten und versorgt werden möchte.
Es braucht einen Ort, an dem das, was wir wahrnehmen, fühlen und denken, Platz bekommen darf. Einen sicheren Ort, an dem wir würdigen können, wie wir geworden sind, welche guten Gründe hinter unseren Strategien liegen und unsere eigenen Dynamiken mit einem milden Herzen betrachten können.
Aus diesem Verständnis heraus wächst die Möglichkeit, bewusster hinzusehen und zu entscheiden: Was dient mir heute noch? Was hilft mir jetzt? Was brauche ich gerade? Und wie kann ich mir in dieser unsicheren Zeit wieder näherkommen.
Von Herz zu Herz
Angi
Eine Diagnose oder bereits der Verdacht darauf kann das Gefühl von Sicherheit plötzlich verändern. Du wartest. Du beobachtest. Du hoffst. Nach außen läuft alles weiter, während innerlich vieles in Bewegung kommt. Ich begleite dich dabei, mit dem da zu sein, was gerade da ist.
Der abrupte Ăśbergang von der werdenden Mutter zur Patientin. Zum medizinischen Notfall. FĂĽr viele Frauen beginnt damit eine Lebenskrise, auf die niemand vorbereitet. Ich begleite dich dabei, wieder mehr Halt in dir zu finden.
Schwangerschaft verändert nicht nur den Körper. Sie verändert oft auch, wie wir fühlen, Verantwortung tragen, mit Sorgen umgehen und uns selbst begegnen. Plötzlich werden Glaubenssätze, Ängste, Muster sichtbar, die lange gewirkt haben. Ich begleite dich dabei, diesen Dynamiken mit einem milden Herzen zu begegnen.
Jede Situation ist anders. Manche Frauen wünschen sich zunächst Orientierung für das, was sie gerade bewegt. Andere suchen Halt in einer herausfordernden Lebensphase oder möchten tiefer verstehen, was diese Erfahrungen in ihnen sichtbar macht. Deshalb biete ich unterschiedliche Formen der Begleitung an.
Seit dem letzten Arzttermin drehen sich deine Gedanken im Kreis. Du versuchst, die Informationen einzuordnen, suchst nach Antworten und fragst dich, was los ist und was jetzt wirklich wichtig ist.
Ein Raum für dich, in dem wir gemeinsam auf deine aktuelle Situation schauen, deine Gedanken sortieren, Belastungen einordnen und den Blick darauf richten, was gerade Unterstützung braucht. Alles, was dich gerade beschäftigt, darf da sein. Deine Gedanken, deine Fragen und auch das, was sich vielleicht noch gar nicht in Worte fassen lässt, bekommt hier seinen Platz.
Mit dem Ziel:
Du entwickelst mehr inneren Halt in einer Zeit, in der viele Fragen offen bleiben. Du lernst, dich auch in belastenden Phasen selbst zu begleiten, deine Ressourcen bewusst zu nutzen und wieder mehr Vertrauen in deinen eigenen Umgang mit der Situation zu gewinnen.
Du musst diese Zeit nicht allein tragen. Nicht alles, was dich belastet, lässt sich verändern. Aber du kannst verändern, wie du ihr begegnest. Mit mehr Verständnis für dich und weniger dem Gefühl, der Situation ausgeliefert zu sein.
Im Mittelpunkt stehen:
Schon als Kind hast du gelernt, ruhig zu bleiben. Jetzt tust du es wieder, nur ist die Angst diesmal größer.
In dieser Begleitung schauen wir gemeinsam auf die Zusammenhänge zwischen deinen Erfahrungen und deinen heutigen Reaktionen, welche Muster auftauchen und welche Schutzstrategie dahinter liegt. Vielleicht funktionierst du nach außen, obwohl es in dir ganz anders aussieht. Vielleicht hältst du Fragen zurück, passt dich an oder versuchst durch Kontrolle wieder Sicherheit herzustellen.
Mit dem Ziel:
Im Mittelpunkt stehst immer du. Mit deiner Geschichte. Mit deinen Erfahrungen. Mit dem, was dich bewegt, belastet oder vielleicht schon so lange begleitet. Meine Begleitung passt besonders dann, wenn du bereit bist, deine Erfahrungen, Gedanken und Gefühle gemeinsam zu betrachten. Denn so schaffen wir gemeinsam einen Raum, in dem das alles Platz haben darf. Dabei verbinde ich meine Erfahrungen als Mama nach Präeklampsie mit einem systemischen Blick auf Dynamiken, die in belastenden Lebensphasen sichtbar werden.